Sandra Weeser

Im Porträt: Sandra Weeser

Im Porträt

Sandra Weeser
FDP-Bundestagsabgeordnete 

Als Abgeordnete im Bundestag bleibt nicht viel Freizeit. Die wenige Zeit, die Sandra Weeser bleibt, nutzt sie gern mit ihrer Familie im eigenen Garten. Davon konnte sie auch die Rekordhitze im Sommer 2018 nicht abhalten. „Ich komme aus dem Westerwald, der ist nicht bekannt für hohe Temperaturen, wir haben es eher genossen“, sagt sie. „Es war generell kein außergewöhnlicher Sommer für uns.“ Sandra Weeser klingt entspannt. Dennoch zweifelt sie nicht an der Notwendigkeit einer Energiewende und weiß, wie wichtig Klimaschutz ist.

Sandra Weser ist Quereinsteigerin: „Es war nicht mein erklärtes Geburtsziel, Politikerin zu werden.“ Nach ihrer Ausbildung und einem Arbeitsaufenthalt in Frankreich arbeitete sie zunächst im Familienunternehmen ihres Stiefvaters, einem Autohaus. Durch ihre Mitarbeit bei der Industrie- und Handelskammer zu Koblenz wurde sie in den Gremien mehr und mehr politisiert, bis sie sich 2006 endgültig für die Politik entschied. Genauer gesagt für die FDP. Doch ihr Quereinstieg sollte sich nicht als Nachteil erweisen. Mit ihrem betriebs- und volkswirtschaftlichem Wissen als Eintrittskarte, kam sie über die Landesliste für Rheinland-Pfalz in den Bundestag.

Wirtschaft und Klimaschutz, das sind für viele unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Perspektiven. Daher erscheint es zunächst verwunderlich, dass ausgerechnet eine Frau aus der Wirtschaft, noch dazu aus der Autobranche, sich auch für CO2-Reduzierung und erneuerbare Energien einsetzt. Für Sandra Weeser, die für die FDP im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sitzt, gehen freie Marktwirtschaft und das Einhalten von Klimazielen Hand in Hand. Durch ihr duales BWL-Studium und ihre anschließende Arbeit in der Wirtschaft steht das Thema Finanzierung bei ihr an oberster Stelle.

Dabei überwirft sie sich oft mit den Ansichten anderer Parteien, besonders mit den Grünen. Sie würde gern das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abschaffen und auch der Kohleausstieg hätte laut Weeser nicht staatlich eingeleitet werden müssen. Sie glaubt an Innovationen – angeregt durch freie Märkte – und vertraut auf das Verantwortungsbewusstsein von Unternehmen: „Ich spreche den Unternehmen nicht ab, dass sie ebenfalls an der Einhaltung der Klimaziele interessiert sind.“

Schwarze Schafe gäbe es natürlich immer, man denke nur an den VW-Abgasskandal. Aber mit klimafreundlicheren Produkten könnte man sich auch einen Vorteil auf dem Markt verschaffen. Mit Blick auf das EEG erkennt sie an, dass sich die Subventionen für zum Beispiel Windkraftanlagen nicht von heute auf morgen abschaffen lassen: „Aber als Liberale bin ich staatlichen Förderungen gegenüber natürlich skeptisch. Warum fördert man den einen und nicht den anderen?“ Auch wenn die Windräder wichtig für die Umsattelung auf erneuerbare Energien seien, müssten sie sich Schritt für Schritt selbst tragen können.

Weht mal kein Wind weht oder keine Sonne scheint, braucht es Speicherzellen. Auch hier wäre eine Öffnung des Marktes wichtig, um Konkurrenz zwischen verschiedenen Ideen zu fördern und keine Fokussierung auf nur eine Technologie zu erzeugen. Dies würde die geeignetsten Produkte hervorbringen und zudem weniger Steuern kosten. „Wir sollten die Wirtschaft, aber auch den Otto-Normalverbraucher, nicht überfordern.“ 

Mit der gleichen Argumentation zweifelt sie auch den Kohleausstieg an. Denn auch wenn der Kohleabbau extrem umweltschädigend ist, so würde sich dieses Geschäftskonzept laut Weeser nur fünf bis zehn Jahre länger halten können als es der staatlich geregelte Ausstieg nun vorsieht, dann aber ohne teure Subventionen für die Unternehmen, bezahlt mit Steuergeldern.

Auch zu anderen energiepolitischen Themen hat Weeser eine klare Meinung: Der erste Schritt in Richtung eines schnelleren Netzausbaus sei getan, wenn auch etwas zu spät, findet sie. Damit der Gleichklang von Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gewährleistet werden könne, müssten mehr Speicher gebaut werden. 

Und Weeser ist vor allem eines wichtig: Innovation durch Kombination. So wie es keine Fokussierung auf nur eine Technologie geben sollte, so sollte man auch in mehr Bereichen auf Nachhaltigkeit setzen,

nicht nur bei der Energiegewinnung. Auch im Gebäudebereich ließe sich mit Hilfe der Digitalisierung viel Energie einsparen. Bis dahin bringt die FDP-Politikern ihren Kindern bei, unnötiges Licht auszuschalten und energiesparend zu heizen.

4 Fragen an Sandra Weeser

Wer ist Ihr Stromversorger, warum gerade dieser?

„Wir sind erst vor kurzen umgezogen und haben den Versorger übernommen. Wir sind aber jetzt dabei, fleißig Preis und Leistung zu vergleichen.”

Was muss passieren, damit Sie sich ein Elektroauto zulegen?

„Ich wohne im Westerwald, bei uns gibt es wenig öffentlichen Personennahverkehr, daher ist das Thema Reichweite von größerer Relevanz. Auf dem Land können wir mit Elektroautos nicht so viel anfangen wie in der Stadt, wo die Wege kürzer sind. Der Prei hat mich auch noch nicht überzeugt. Wir sind vier Personen und ein Hund, da muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Und mein Hauptargument gegen den Kauf eines Elektroautos: So lange der Strom noch nicht klimaneutral ist, ist auch die Klimabilanz nicht zu rechtfertigen. Ich könnte mich aber mit einem Hybrid anfreunden.“

Wer aus der Energie- und Umweltszene hat Sie beeindruckt?

„Ich bin nun seit einem Jahr in unserer Fraktion tätig und habe regelmäßig Sachverständige getroffen im Bereich Klima, viele haben mich beeindruckt. Ganz spontan würde mir eine Person besonders einfallen: Prof. Reinhard Hüttl vom Helmholtz Institut. Er hat mir gezeigt was alles möglich wäre im Bereich Speicherung und Nutzung von Erdgas.”

Was war für Sie die wichtigste Energie-Innovation der vergangenen Jahre? Welche würden Sie sich wünschen?

„Generell würde ich jetzt gar nicht so unbedingt eine Innovation nennen wollen, es gibt ja schon seit 100 Jahren Brennstoff- oder Wasserstoffzellen. Ich denke, was spannend ist und was die Innovationen ausmacht, sind die Kombinationen aus allen Technologien, Power-to-X und auch die digitale Vernetzung all dieser Technologien.“